35 Jahre BHPV: Entstehung und Entwicklung
Nordrhein-Westfalen und Bayern waren die ersten Bundesländer, in denen sich einzelne Engagierte auf den Weg machten, um eine hospizliche Begleitung einzuführen. 1985 wurde in München der Christophorus Hospizverein (CHV) ins Leben gerufen– eine der ersten Initiativen ihrer Art in Deutschland, 1987 folgte Erlangen, 1990 Bamberg. Die erste Palliativstation in Bayern wurde 1991 im Münchener Krankenhaus der Barmherzigen Brüder eröffnet.
Christine Denzler-Labisch leistete wegweisende Pionierarbeit
In dieser hospizlichen Aufbruchstimmung der 90-er Jahre startete Christine Denzler-Labisch. Sie prägte die Hospiz- und Palliativbewegung in ganz Bayern und über die Landesgrenzen hinaus als Pionierin der Hospizarbeit. Antriebsfeder war ihre Vision: sie wollte ein Hospizhaus in Bamberg errichten, in dem ehrenamtliche Hospizbegleitung, die stationäre Versorgung Sterbender und die fachliche Ausbildung für die Hospiz- und Palliativarbeit unter einem Dach vereint sind. Ihre Gründung des Hospizvereins in Bamberg 1990 war der erste Schritt dazu.
Bedürfnissen Schwerstkranker und Sterbender gerecht werden
Geprägt war Christine Denzler-Labisch von ihren Erfahrungen als junge Krankenschwester: auf der Intensivstation des St. Josef-Krankenhauses in Regensburg hatte sie erlebt, dass an der Grenze des Lebens, in einem von Hektik geprägtem Krankenhausalltag, häufig keine Zeit bleibt, den Bedürfnissen Schwerstkranker und ihrer Angehörigen ausreichend gerecht zu werden. „Nicht nur einmal habe ich in Krankenhäusern erlebt, dass Sterbende mehr oder weniger abgeschoben wurden.“, berichtete sie. „Niemand darf heimlich sterben müssen.“ beschloss Christine Denzler-Labisch. Sie spürte die Sehnsucht der Menschen nach Zuwendung in der sensiblen Phase des Abschieds. Ihr darauffolgendes pädagogisches Studium und ihre psychologische Weiterbildung verstärkten ihre ganzheitliche Sicht auf den Menschen mit seinem Leben und Sterben. Christine Denzler-Labisch wünschte sich eine humanere Gesellschaft – vor allem im Hinblick auf Sterben, Tod und Trauer.
Gründung des Bayerischen Hospizverbandes im Juli 1991
Sie baute im Bamberger Hospizverein sehr schnell viele ehrenamtliche Mitarbeiter:innen für die Sterbebegleitung auf und gewann Prof. Dr. Hans-Joachim Thiel, als Arzt für Strahlentherapie am Klinikum Bamberg tätig, für ihre Hospizidee. Gemeinsam mit ihm stellte sie ihre Vision in München beim Sozialministerium vor. „Seid Ihr eine Interessenvertretung, irgendeine Organisation, also zum Beispiel ein Verband oder so etwas?“ wurden sie gefragt. „Christine Denzler-Labisch war eine Frau, die Dinge tatkräftig umgesetzt hat“, berichtet Zeitzeuge Konrad Göller (später Vorstandsvorsitzender des BHPV). Auf der Heimfahrt von München habe sie mit Prof. Thiel beschlossen „Wir gründen einen Verband für die Hospizarbeit in Bayern.“ Sechs Hospizvereine (Bamberg, Erlangen, Bayreuth, Augsburg, Regensburg, Rosenheim) und zwei Hospizgruppen (u. a. Würzburg) schlossen sich der Idee an. Am 13. Juli 1991 konnte der Bayerische Hospizverband (BHV) bei einer Gründungsversammlung in Bamberg aus der Taufe gehoben werden.
Bundesweiten Hospizverband mit auf den Weg gebracht
„So haben wir eine Grundlage, um zu sagen, wir sind wer, wir können anders auftreten, auch gegenüber Ministerien und anderen Entscheidungsträgern“ war das Credo. Der BHV war der erste Hospizverband in Deutschland. Im darauffolgenden Jahr, 1992, wurde die Bundesarbeitsgemeinschaft Hospiz e.V. (BAG Hospiz) als gemeinnütziger Verein gegründet –der heutige Deutsche Hospiz- und PalliativVerband e.V. (DHPV). Christine Denzler-Labisch wirkte auch an seiner Entstehung federführend mit.
Schnelles Wachstum der Hospizlandschaft in den 90er Jahren
Mit dem Pioniergeist von Christine Denzler-Labisch wuchs die Hospizlandschaft in Bayern Anfang der 90-er Jahre rasant. „Sie fuhr durch ganz Bayern, um Menschen zu treffen, die sich für ehrenamtliche Hospizarbeit interessieren.“ erzählt Weggefährte Konrad Göller. „Sie hatte eine Muster-Satzung für die Gründung eines Hospizvereins dabei, hat sie beraten, welche Leute sie für ihre Arbeit gewinnen sollen und ihnen angeboten, an den Wochenenden die Kurse zur Ausbildung ehrenamtlicher Hospizbegleiter:innen zu leiten.“ Viele ließen sich von der Hospizidee anstecken: während es zur Zeit der BHV-Gründung etwa 10 Hospizvereine in Bayern gab, entstanden binnen rund sechs Jahren bayernweit ungefähr 60 Vereine.
Mit der Gründung einer Verbandsstruktur gewann die ehrenamtliche Arbeit auch auf politischer Ebene wie angestrebt Bedeutung. Gleichzeitig waren mit der von Christine Denzler-Labisch konzipierten Ausbildung zum/zur ehrenamtlichen Hospizbegleiter:in erste Qualitätskriterien geschaffen worden, die die ehrenamtliche Tätigkeit strukturierten.
Verband gewinnt sozial- und gesundheitspolitisch an Wirkungskraft
Der BHV gewann somit schnell an Gewicht und das Ziel, die Interessen der Hospizarbeit gegenüber Ministerien und anderen gut vertreten zu können, ließ sich nach und nach mehr umsetzen. In Barbara Stamm, damals noch Staatssekretärin im Bayerischen Staatsministerium für Arbeit, Familie und Sozialordnung und später bayerische Sozial- und Gesundheitsministerin, fand der BHV eine Unterstützerin, die sich für die Hospizidee stark machte. Das sogenannte Bayerische Netzwerk Pflege, entstanden im Umfeld des Ministeriums für Soziales, förderte die Hospizvereine finanziell.
Initiierung der Bayerischen Stiftung Hospiz
Der Bayerische Hospizverband (seit 2009 Bayerischer Hospiz- und Palliativverband) initiierte 1999 die Entstehung der Bayerischen Stiftung Hospiz. Sie wurde als Institution zur Förderung der Hospizidee in der Gesellschaft und der Unterstützung der ehrenamtlichen Hospizarbeit geschaffen. Die Stiftungsmitglieder bilden die verschiedenen politischen, gesellschaftlichen und fachlichen Bereiche ab, in denen die Hospizarbeit verankert ist: Bayerisches Staatsministerium für Gesundheit, Pflege und Prävention, Christophorus Hospizverein München, Orden der Barmherzigen Brüder, Spitzenverband der Freien Wohlfahrtspflege, Palliativakademie des Juliusspitals Würzburg und der BHPV. Die Bayerische Stiftung Hospiz gab zum Beispiel Hospizvereinen einen Zuschuss von damals 4.000 DM für die Einrichtung ihres Büros u. ä..
Gründung des Bayerischen Hospiz- und Palliativbündnisses
Die Gründung des Bayerischen Hospiz- und Palliativbündnisses (BHPB) 2011 war ein entscheidender Meilenstein in der Arbeit des Bayerischen Hospiz- und Palliativverbandes. Er wurde vom BHPV mit dem Diakonischen Werk Bayern und dem Landes-Caritasverband Bayern als Kooperationsbündnis geschaffen und wird vom Bayerischen Staatsministerium für Gesundheit, Pflege und Prävention gefördert. Das BHPB fördert das ehrenamtliche Engagement im Hospizbereich in Bayern, fördert deren Zusammenarbeit mit allen Trägern der hospizlichen und palliativen Primärversorgung und unterstützt beim weiteren Auf- und Ausbau der hospizlich-palliativen Versorgungsstruktur in Bayern. Initiativen, die ein Hospiz- und Palliativnetzwerk errichten möchten werden vom BHPB unterstützt, Kommunen entsprechend beraten und bestehende Netzwerke bestehende Netzwerke untereinander vernetzt.
Große Meilensteine in 35 Jahren erreicht
Der Bayerische Hospizverband, seit 2009 Bayerischer Hospiz- und Palliativverband, hat in den vergangenen 35 Jahren große Meilensteine in der Hospiz- und Palliativarbeit in Bayern und über die Landesgrenzen hinaus erreicht: finanzielle Förderung der Hospizarbeit durch Regierung, Krankenkassen und weitere Unterstützer, Integration der Hospizidee in Wohlfahrtsverbänden, Vernetzung der Haupt- und Ehrenamtlichen im Hospiz- und Palliativbereich und deren qualifizierte Aus- und Fortbildung.
Als Dachorganisation vereint der BHPV heute rund 170 ambulante und stationäre Einrichtung der Hospiz- und Palliativversorgung mit ca. 36.000 Mitgliedern sowie die Hospizakademien im Freistaat.
Hospizidee heute aktuell wie zu Gründungszeiten
Dank des Bayerischen Hospiz- und Palliativverbandes und der engagierten Arbeit seiner Mitglieder ist die Hospizidee 35 Jahre nach der Verbandsgründung in der Bevölkerung, bei Ärztinnen und Ärzten und bei den staatlichen Institutionen angekommen. Sterben als Teil des Lebens zu begreifen und Menschen bis zum letzten Atemzug würdevoll zu begleiten, ist heute als Hospizidee so aktuell wie vor 35 Jahren.
Diese ganzheitliche Sicht in die Gesellschaft zu tragen, ist bei allem gewachsenen Bewusstsein eine Aufgabe, die bleibt. Haupt- und Ehrenamtliche setzen sich mit ihrer hospizlichen Haltung für schwer Erkrankte, Sterbende, ihre An- und Zugehörigen sowie Trauernde aktiv ein – der BHPV wird sie auch in Zukunft mit der Stärke seines gewachsenen Netzwerkes und seiner Expertise dabei bestmöglich unterstützen.
Katja Hessing
Christine Denzler-Labisch
Gründung des Bayerischen Hospizverbandes e. V. durch Christine Denzler-Labisch und Team

Vorstandsvorsitzende: Christine Denzler-Labisch (1991 - 2002)
- Geschäftsstelle: Bamberg (1991 - 2002)
- 1992 Gründung der Bundesarbeitsgemeinschaft Hospiz - BAG Hospiz);
- (2007 Umbenennung in Deutscher Hospiz- und PalliativVerband - DHPV)
Barbara Lanzinger

Vorstandsvorsitzende: Barbara Lanzinger (2002 - 2007)
- Geschäftsstelle: Amberg (2002 - 2007)
Dr. Erich Rösch

Vorstandsvorsitzender: Dr. Erich Rösch (2007 - 2010)
- Sitz der Geschäftsstelle: Altötting (2007 - 201 O)
- 2009 Namenserweiterung in Bayerischer Hospiz- und Palliativverband e. V.
- Dr. Erich Rösch wird zum BHPV-Geschäftsführer (201 0 - 2019)
- Geschäftsstelle: Landshut (seit 2010)
Henriette Gräfin zu Castell-Rüdenhausen

Vorstandsvorsitzende: Henriette Gräfin zu Castell-Rüdenhausen (201 o - 2015)
- 2010 Gründung Bayerisches Hospiz- und Palliativbündnis (BHPB)
- 2013 Start der Hospiz- und Palliativnetzwerke (HPVN)
Frank Kittelberger

Vorstandsvorsitzender: Frank Kittelberger (2015 - 2016)
Konrad Göller

Vorstandsvorsitzender: Konrad Göller (2017 - 2021)
Timo Grantz

Geschäftsführer: Timo Grantz (seit 2020)
Willy Knödlseder

Vorstandsvorsitzender: Willy Knödlseder (seit 2021)
35-jähriges Jubiläum
des Bayerischen Hospiz- und Palliativverbandes